BSG Turbine Baabe
BSG Turbine Baabe

Chronik: 1950 - 1980

Gründung und geschichtliche Entwicklung:

Im ersten Quartal 1950 fand die Gründung der SG Baabe mit circa 60 Teilnehmern im ehemaligen Bahnhofshotel (später Mönchgut-Lichtspiele) statt. Vorher gab es hier noch keine andere Sportgemeinschaft. Bei den Einwohnern, besonders bei der Jugend, bestand ein großes Interesse für die Gründung eines Sportvereins. Fast 2/3 der Einwohner waren damals Flüchtlinge und Umsiedler, die in unserem Ort eine neue Heimat fanden. Einen Sportplatz oder eine Turnhalle gab es hier nicht, aber die Kinder und Jugendlichen spielten untereinander im Wald oder auf einem Sandplatz im heutigen Zeltplatz. Die Männer trugen Fußballspiele gegen Sellin auf dem dortigen Sportplatz aus, der aber für einen Spielbetrieb nicht geeignet war. Eine Gründungsurkunde von der SG Baabe liegt heute leider nicht mehr vor.

Mit der Aufzeichnung der Sportberichte wurde erst im Jahr 2000 begonnen. Weil wir deshalb nur auf Erinnerungen zurück greifen können, sind die Aufzeichnungen lückenhaft. Mit Unterstützung des damaligen ersten Vorsitzenden, Herrn Günter Bull, konnten wir noch die Namen und die Zusammensetzung des ersten Vorstandes erfahren. Zu den Gründern des ersten Vorstandes gehörten die Sportfreunde Günter Bull (Vorsitzender), Bruno Klatt (Kassenwart), Walter Katzmarski (Sektionsleiter Fußball), Harry Mathis (Sektionsleiter Leichtathletik) und Alfred Schickert (Schriftführer). Das erste Sportfest fand im Mai 1950 mit Wettkämpfen in der Leichtathletik statt. Wettkampfstätten waren die Strandstraße und das Waldgelände. Das Gründungsfest wurde im Bahnhofshotel umrahmt mit Barrenturnen, Bodenturnen und einem internen Boxkampf. Später traten bei den Sportfesten sogar einige Theatergruppen auf.

 

Mit dem Fußball wurde wettkampfmäßig im Herbst 1950 in der II. Kreisklasse begonnen. Da wir über keinen Sportplatz verfügten, gewährte man uns für die Heimspiele Gastrecht in Göhren und Binz. Jugendspiele gab es nur nach Vereinbarung. Besondere Probleme gab es beim Transport der Mannschaft. Es standen nur offene Lastkraftwagen zur Verfügung. Besondere Unterstützung gewährte damals die Fischräucherei Kankel mit ihrem LKW. Die erste Fußballkluft hatte die Farben schwarz-gelb. Für das nächste Spieljahr 1951/52 stand der SG Baabe auf dem Gelände des heutigen Sportplatzes ein ehemaliges Ackerstück für den Spielbetrieb zur Verfügung. Das Gelände war sehr uneben und hatte eine Schräglage. Bereits 1950 fand die Ausnivellierung des Geländes in Eigenleistung durch die Herren Günter Bull und Richard Evert statt. Die Höhe, die abgetragen werden musste, betrug in Richtung Sellin circa 1,40 m und lief nach Baabe mit 0 m aus. Der untere Teil sollte mit dem abgetragenen Boden ausgeglichen werden. Für die Bewältigung dieser Arbeiten wurden Schienen und eine Lore bereitgestellt. An den Wochenenden leisteten die Sportfreunde viele freiwillige Arbeitsstunden. Noch im gleichen Jahr fuhren die Sportfreunde Bull und Klatt zum Bundesvorstand des DTSB (deutscher Turn- und Sportbund) nach Berlin. Sie überbrachten Anträge der Gemeinde Baabe und der Kreisverwaltung Rügen zur Bereitstellung von finanziellen Unterstützungen für dieses Vorhaben. Es waren sehr schwierige Verhandlungen, aber der DTSB interessierte sich für unser Vorhaben. So kam eine Besichtigung durch den DTSB einen Monat später zustande. Durch diese Initiative und der bereits erbrachten Leistung wurde der Bau bewilligt und später aus Lottomitteln finanziert. Die Fertigstellung des Sportplatzes dauerte aber noch Jahre.

 

Während des Spieljahres schlossen sich die Sportler unserer SG und der GS Lancken-Granitz zur SG Granitz zusammen und spielten abwechselnd die Heimspiele in Lancken und in Baabe. Im Spieljahr 1952/53 wurde zunächst als SG Granitz weitergespielt. Das Spieljahr wurde nicht zu Ende geführt, weil die „Aktion Rose“ stattfand und die Familien von Spielern in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Während des Spieljahres schlossen sich die Sportler unserer SG und der GS Lancken-Granitz zur SG Granitz zusammen. Während des Spieljahres schlossen sich die Sportler unserer SG und der GS Lancken-Granitz zur SG Granitz zusammen.

Einige Anmerkungen zur „Aktion Rose“: Von Februar bis März 1953 fand eine unrechtmäßige Enteignung von Hotels und Betrieben an der gesamten Ostseeküste der DDR statt. Die Besitzer wurden unter fadenscheinigen Vorwänden eingesperrt und ihre Familien in andere Gegenden umgesiedelt. Viele Betroffene flüchteten damals über Berlin-West in die BRD. Die Hotels und Ferienheime wurden von staatlichen Instituten wie dem MFS (Ministerium für Staatssicherheit), MDI (Ministerium des Inneren), NVA (nationale Volksarmee) und dem FDGB-Feriendienst (freier deutscher Gewerkschaftsbund) übernommen. Die Betriebe wurden verstaatlicht. Zu den Opfern gehörte auch das damalige Vorstandsmitglied Alfred Schickert. Der Spielbetrieb wurde eingestellt!

 

Im Herbst 1953 spielten wir als SG Baabe in der ersten Kreisklasse Putbus. Alle Heimspiele führten wir in Binz durch, da mit den Arbeiten für die Errichtung eines modernen Sportplatzes mit Aschenbahn aus Totomitteln in Baabe begonnen wurde. Die Anreise nach Binz erfolgte mit der Kleinbahn oder dem Fahrrad. Besonders erwähnen möchte ich hier den Sportfreund Erwin Schramm aus Groß Zicker, der grundsätzlich bei jedem Wetter die 20 km mit dem Fahrrad kam. Am 8. Mai 1954 wurde mit der Übergabe des Sportplatzes in Baabe ein neues Kapitel in der Entwicklung des Sportes begonnen. Es war in sportlicher Beziehung ein großer Schritt vorwärts. Gleichzeitig war es mit einer Namensänderung verbunden. In der damaligen Zeit durfte der Sportplatz nur an eine Betriebssportgemeinschaft übergeben werden. Unser Trägerbetrieb wurde die Wasserwirtschaft in Sellin. Das war es dann fast auch. Wir bekamen bei der Gründung eine blau-weiße Fußballkluft. Die Farben blau-weiß waren seitdem unsere Vereinsfarben. Fahrzeuge wurden uns nicht zur Verfügung gestellt. Auch fehlte jegliche finanzielle Unterstützung. Unser Name war seitdem „BSG Turbine Baabe„. Ein neuer Name, der uns bis 1990 (22.8.1990) auf der Insel Rügen Achtung einbrachte, weil damit viele Erfolge verbunden waren.

BSG Turbine Baabe BSG Turbine Baabe

Über die Entwicklung der BSG Turbine Baabe soll nun das Wesentliche berichtet werden. Unser Sportverein hatte einen modernen Sportplatz mit einer 400 Meter Aschenbahn und Leichtathletikanlagen. Für die Pflege des Sportplatzes war der Rat der Gemeinde Baabe zuständig. Ihm stand eine Planstelle für einen Platzwart zur Verfügung. Der erste Platzwart, Sportfreund Gustav Katzmarski, leistete eine vorbildliche Arbeit. Leider verstarb er zu früh und seine Nachfolger, bis auf den Sportfreund Adolf Hartwig, wurden oft auch für andere Arbeiten eingesetzt und arbeiteten mit wenig Interesse, was zur Folge hatte, dass das Sportgelände nicht so gepflegt wurde, wie es erforderlich war. Der Sportplatz erhielt den Namen "Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportstätte", was eine Verpflichtung zur Tradition im deutschen Sport für unsere Sportfreunde bedeutete.

 

Am Sportgelände befanden sich zunächst nur ein Geräteschuppen, jedoch keine Umkleideräume und Waschgelegenheiten. Die Mannschaften waren gezwungen sich im Fahrzeug oder im Freien umzukleiden. Erst im Jahre 1964 wurde mit dem Bau von Umkleidekabinen begonnen. Wie allgemein bekannt, bestand in der DDR ein großer Mangel an Baumaterial. Wir hatten das Glück, dass zu dieser Zeit die Kalksandfabrik Putbus ihren Betrieb einstellte und wir aus den Restbeständen durch Vermittlung der ZBO Zirkow genügend Steine zum Bau zur Verfügung hatten. Für das Dach wurde größtenteils das Holz des alten Geräteschuppens genutzt. Besondere Schwierigkeiten gab es noch bei der Beschaffung von Zement. Durch Vermittlung eines Mitarbeiters der Gemeinde bekamen wir abgelagerten Zement von einem Bauern aus Middelhagen. Der Platzwart hatte die Aufgabe den steinharten Zement zu zerklopfen, damit er für die Mischung verwendet werden konnte. Sämtliche Bauarbeiten wurden ohne Lohn in wochenlanger Feierabendarbeit durchgeführt. Besonders hervorzuheben war die Arbeit der Sportfreunde Alfred Yström und Gerhard Kunz, die den Hauptanteil als Fachkräfte für das Gelingen dieses Baues hatten. Auch die Gemeinde unterstütze diesen Bau und stellte die Fenster und Türen zur Verfügung. Wir hatten jetzt zwei Umkleideräume mit Geräteraum. Hinter dem Gebäude wurden Waschpilze aufgestellt.

 

Vollständig abgeschlossen wurden die Arbeiten an den Umkleidekabinen erst 1967. In diesem Jahr wurde uns durch die hiesige Zeltplatzleitung, die Könitzer KG Zittau (später VEB Seidenspinnerei), ein Betrieb vermittelt, der für die Weiterentwicklung unseres Sports von großer Bedeutung war. Wir hatten miteinander vertragliche Bedingungen. Der Betrieb stellte uns jährlich für die Vermietung der Umkleideräume als Ferieneinrichtung für die Sommerzeit zweitausendfünfhundert Mark zur Verfügung. Der Bau erhielt jetzt Toiletten und wurde vom Betrieb so hergerichtet, dass eine Benutzung als Ferieneinrichtung möglich war. Zusätzlich baute uns der Betrieb einen Clubraum, der uns als Versammlungsraum diente und für die Zeit der Vermietung unser Umkleideraum war. Mit diesem Geld übernahmen wir die Jugendarbeit in der Sektion Fußball und setzten uns das Ziel, den Aufstieg in die Bezirksklasse für die erste Mannschaft zu schaffen.

 

Außerdem schloss sich uns die Sektion Turnen, die bis dahin zur BSG Einheit Sellin gehörte, an. Eine Chronik dieser Sektion wurde von der Sektionsleiterin Hildegard Raffel gesondert erarbeitet. Nun wurde es notwendig am Sportplatz weitere Umkleidekabinen zu schaffen. Eine ehemalige Strandverkaufsstelle der HO (stattliche Handelsorganisation der DDR) wurde von den Sportlern abgerissen und als Umkleidekabine neu aufgebaut und verwendet. Ebenfalls wurde eine neue Barriere um den Sportplatz errichtet, die aus Schrott aus den NVA-Kasernen in Prora entnommen wurde. Damit auch das Fußballtraining während der Wintermonate möglich wurde kam eine kleine Flutlichtanlage dazu.

 

Für unsere Frauengymnastikgruppe stand uns während der Wintermonate der Tanzsaal im Haus Seestern (heute Bäckerei Mudrick) zur Verfügung. Im Sommer wurde im Freien geturnt. Da dieser Saal seit Ende der 60er Jahre nicht mehr genutzt wurde stellte der Vostand unseres Vereins an den Rat der Gemeinde, als Verwalter dieses Hauses, den Antrag, diesen Raum als Turnraum ständig einzurichten. Dem Antrag wurde stattgegeben. Dieser Turnsaal wurde mit Turngeräten, Matten u.a. versehen und stand den Sektionen Turnen, Frauengymnastik, Judo, der Teiloberschule, dem Kindergarten, der Vorschule für sprachgestörte Kinder und dem FDGB Feriendienst zur Verfügung. Der Sportverein sorgte für eine elektrische Deckenheizung und sanitäre Anlagen. Für die Sektion Fußball mit zwei Männermannschaften und der Jugendabteilung (Junioren, Jugend, Schüler, Knaben und Kinder) wurde uns die Turnhalle in Sellin zur Verfügung gestellt.

 

Im Sommer 1980 wurde eine Tribüne für circa 180 Zuschauer gebaut. Sie war lange Zeit die einzige auf unserer Insel.

Baaber Tribüne im Sommer 1980 Baaber Tribüne im Sommer 1980
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